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ZWANZIG ZWANZIG ist ein bedeutendes Jahr in der Geschichte unseres Musikvereins, denn wir feiern unser 100-jähriges Vereinsjubiläum. Solche Meilensteine eines Vereines sind immer auch Momente des Rückblicks auf das, was war. Auch wir möchten dieses besondere Ereignis nutzen, um 100 Jahre voller menschlicher, kameradschaftlicher und musikalischer Geschichten Revue passieren zu lassen. Kommen Sie mit uns auf eine Zeitreise durch 100 Jahre Musik in Mietingen.

Unsere Vorgeschichte

Unsere Vereinsgründung am 1. Mai 1920 war nicht der Beginn der Geschichte der Blasmusik in Mietingen. Bereits im Jahr 1800 wurden in einer Primiz-Rechnung „Mietinger Musikanten“ erwähnt. Gut 100 Jahre später, im Jahr 1901, werden in der Chronik des Mietinger Gesangvereins wieder Musiker genannt, die das Tagwachblasen übernommen haben. 

Ein Bläserquartett, bestehend u.a. aus den Brüdern Fidelius und Josef Ruf, trat 1911 auf einer Weihnachtsfeier auf und schloss sich im Jahre 1913 mit einer weiteren bestehenden Musikergruppe um Forstwart Josef Stecher zusammen. Ihre Vereinigung kann wohl als Grundsteinlegung unseres Vereins gesehen werden.

Unterbrochen wurde das gemeinsame Musizieren jedoch vom 1. Weltkrieg, an den noch heute die große Trommel erinnert, die im Proberaum des Musikvereins steht und bis 2006 genutzt wurde. Diese Trommel wurde während des 1. Weltkriegs von 1914-1918 in der Regimentskapelle des Infanterie-Regiments 120 eingesetzt.

100 Jahre Musikverein "Lyra" Mietingen

1920-1926

Der Musikverein wird aus der Taufe gehoben

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges kamen unter der Leitung von Josef Stecher erneut musikbegeisterte Männer zusammen und gründeten am 1. Mai 1920 den Musikverein Mietingen.

Im Gründungsprotokoll wurde Folgendes festgehalten: „In richtiger Erkenntnis, dass auf dem Gebiete der Musik nur durch vereinigte Kräfte und friedliches Zusammenwirken etwas Großes geleistet werden kann, haben sich  die 15 Musiker der hiesigen Kapelle vereint, um den Bestand einer leistungsfähigen Instrumentalmusik auch für die Zukunft zu sichern. Zu genanntem Zwecke ist unter heutigem Datum von den vereinigten Musikern ein Musikverein gegründet worden.
Im Jahr 1921 zählte der Musikverein bereits 15 aktive sowie 88 passive Mitglieder. Für die aktiven Mitglieder wurden im gleichen Jahr einheitliche Hüte angeschafft und im Juni des Jahres traten die Musiker erstmals bei einem Wertungsspiel in Biberach an. Der junge Verein schloss dies erfolgreich mit einem zweiten Preis ab.

Im Zeitraum von Dezember 1923 bis Frühjahr 1926 bestanden zeitweise zwei Kapellen, da es zu Unstimmigkeiten innerhalb des Vereins gekommen war.

1920-1926

1926-1939

Jetzt geht es richtig los

Nachdem sich die beiden Gruppierungen wieder zusammengerauft hatten, fand am 5. Juni 1926 die erste ordentliche Generalversammlung statt. Im Rahmen dieser wurde Ludwig Staible offiziell zum Dirigenten und Josef Birk zum Vorstand gewählt. Nach vorherigem Beschluss des Ausschusses wurde der Verein zum 1. Januar 1927 in den Oberschwäbischen Musikverband aufgenommen.

1928 wurde erstmals über die Anschaffung einer Uniform diskutiert, der Gedanke aber auf Grund der hohen Kosten zunächst verworfen. Durch großzügige Spenden der Mietinger Bürger konnten schließlich doch noch Uniformen angeschafft werden. Bei einem Gottesdient und einem anschließenden Konzert im Gasthaus Lamm wurden am 30. September 1928 die neuen Uniformen erstmals präsentiert.

In der Generalversammlung am 8. Februar 1930 brachte Ausschussmitglied Xaver Müller den Vorschlag ein, eine Vereinsfahne anzuschaffen. Dirigent Staible lehnte dies ab, um stattdessen eine Kesselpauke zu kaufen. Zu unserem 100-jährigen Jubiläum konnten wir diese „Lücke“ nun endlich schließen.

Im Juli 1930 wurde ein kleines Musikfest veranstaltet, um das zehnjährige Vereinsbestehen zu feiern. Hierzu wurden die benachbarten Musikvereine Burgrieden, Bußmannshausen, Schwendi und Baustetten eingeladen.

Einen Meilenstein in der Vereinsgeschichte bildet auch die Generalversammlung 1931. Hier wurde der Vorschlag, den Verein in Musikverein „Lyra“ Mietingen umzubenennen, einstimmig angenommen. Das namensgebende Instrument wurde jedoch erst im Jahr 1933 angeschafft.

Unter dem jungen Dirigenten Ludwig Staible entwickelte sich das musikalische Niveau stetig weiter. 1932 trat die Kapelle beim Bezirksmusikfest in Schwendi zum ersten Mal in der Oberstufe an und erreichte einen 1a-Preis mit 136 ½ Punkten, Diplom und Pokal. 

1939-1945

Der Zweite Weltkrieg

Durch den Zweiten Weltkrieg wurden die Aktivitäten des Vereins unterbrochen. Dirigent Ludwig Staible wurde zum Wehrdienst eingezogen und die Kapelle löste sich zwischenzeitlich auf.

1939-1945

1946-1949

Die Neugründung

Nach Genehmigung der Militärregierung wurde im Jahr 1947 der Verein offiziell neu gegründet. Unter dem Übergangsdirigenten Albert Arnold nahmen die Musiker diverse Auftritte wahr. Nach der Rückkehr von Ludwig Staible aus der Kriegsgefangenschaft übernahm dieser wieder den Dirigentenstab.

1950-1956

Das erste Kreismusikfest und ein herber Verlust

Mai 1950 - Vor siebzig Jahren richtete der Musikverein anlässlich des 30-jährigen Bestehens erstmalig das Kreismusikfest aus. Die Stadtkapelle Laupheim stand damals als Patenkapelle zur Seite. Bei einem feierlichen Festbankett gaben neben dem Mietinger Gesangverein und dem Kirchenchor auch die Kapellen aus Laupheim und Bußmannshausen musikalische Glückwünsche zum Besten. Wertungsspiele und ein Festzug durch das wunderschön geschmückte Dorf gehörten bereits damals zum Festprogramm.

Eine neue musikalische Ära im Verein begann am 6. Januar 1953. Beim Jahreskonzert spielten erstmals Holzbläser mit. Blechbläser, Schlagwerk und Holzbläser bilden seither ein harmonisches Klangbild in der Kapelle.

Im Jahr 1956 wurde nach dem musikalischen auch das äußerliche Erscheinungsbild zu einer runden Sache. Die im Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen Uniformen wurden dank ausreichend finanzieller Mittel durch stattliche Uniformen ersetzt und der Verein machte ein gutes Bild bei seinen Auftritten.

Mit einem sehr traurigen Ereignis endete das Jahr ´56. Gründungsmitglied und bisheriger Dirigent Ludwig Staible verstarb völlig unerwartet am 24. Dezember. Als Dank und Anerkennung für sein über 30-jähriges Wirken als Dirigent gaben ihm seine Musiker das letzte Geleit.

1950-1956

1957-1969

Neue Führung und neue Veranstaltungen

Nach dem schmerzlichen Verlust Staibles übernahm zunächst vertretungsweise sein bisheriger Stellvertreter Alfred Hayd den Dirigentenstab. In der Generalversammlung vom 16. Februar 1957 wurde er dann auch offiziell zum Dirigenten gewählt.

"...Ein enorm einmaliges, imposantes Erlebnis, das jedem von uns, der es miterlebt hat, lange in Erinnerung bleibt." So wird die Teilnahme am Landesmusikfest 1958 in Ravensburg im Protokollbuch beschrieben. Unter ihrer neuen Leitung erreichte die Kapelle bei der dortigen Wertungsspielteilnahme einen stolzen 1. Rang mit 109 Punkten.

Im darauffolgenden Jahr ergab sich auch in der Vereinsspitze ein Wechsel. Der seit Vereinsgründung im Ausschuss engagierte Vorstand Josef Link übergab sein Amt an Josef Ackermann, ehemaliger aktiver Musiker und bisheriger Kassenwart. Unter Ackermanns Führung wurden neue Feste und Veranstaltungen im Vereinskalender etabliert, die bis heute bestehen:

Gartenfest - Erstmalig wurde im Juni 1960 ein Gartenfest gefeiert. Seinerzeit noch in Ackermanns („Bäschtes“) Garten in der Lochgasse. Leider musste die Premiere aufgrund eines Gewitters vorzeitig beendet werden.

Musikerball – Eine nahezu gleich lange Geschichte hat der Musikerball. Am 18. Januar 1964 fand unter dem Motto „Narri Narro – bei uns do isch halt so…“ die erste Prunksitzung im Gasthaus „Lamm“ statt. Dieser Narrenruf ist ebenso wie der Elferrat bis heute fest im Ablauf der Mietinger Fasnet integriert.

1963 feierte der Männergesangverein Mietingen sein 100-jähriges Jubiläum. Der Musikverein gratulierte seinen Freunden vom MGV mit dem Großen Zapfenstreich, der zusammen mit dem Spielmannszug der Stadtkapelle Laupheim gespielt wurde.

Erstmals in der Kategorie „Oberstufe“ trat Dirigent Alfred Hayd mit 38 Musikern beim Wertungsspiel 1966 in Achstetten an und erreichte auf Anhieb einen 1. Rang. Das gute Abschneiden beim Kreismusikfest wurde auch von der Gemeinde begeistert aufgenommen und ließ die Musiker „die vielen harten Proben und den restlosen Einsatz“ vergessen.

Mit dem Bau des Pavillons in „Bäschtes“ Garten 1968 und der Anschaffung neuer Uniformen ´69 endete ein ereignisreiches Jahrzehnt im Musikverein.

1970-1977

Ein Jubiläum und ein weiterer Todesfall

Das zweite Kreismusikfest wurde in Mietingen im Rahmen des 50-jährigen Vereinsjubiläums vom 3. bis 6. Juli 1970 ausgerichtet. Den Auftakt am Freitag bildete eine Jubiläumsfeier mit Festansprachen und Auftritten des Gesangvereins sowie des Handharmonikavereins „Spielring“. Eröffnet hatten den Abend die 42 Musiker des Jubiläumsvereins in ihren neuen Uniformen. Ein feierliches Festkonzert war der Höhepunkt des zweiten Tages. Mit dem traditionellen Tagwachspielen und Böllerschießen starteten die Musiker in den Sonntag. Nach einem Festgottesdienst im großen Zelt traten elf leistungsstarke und gut vorbereitete Musikkapellen zum Wertungsspiel an. Unter der Stabführung von Kreisdirigent Högerle spielte der Gesamtchor mit rund 1.000 Musikern auf dem damaligen Festplatz, wo sich heute der Getränkemarkt Trinkspass befindet. 
Als weiteres Highlight marschierten mehr als 30 Musikkapellen und herrlich geschmückte Festwagen bei strahlendem Sonnenschein durch das extra für diesen Tag herausgeputzte Dorf. Die Bekanntgabe der Wertungsspielergebnisse und ein bunter Abend im Festzelt beendeten den Tag, der sehr zur Zufriedenheit des gastgebenden Vereins und den zahlreich gekommenen Gästen verlaufen war. Am Montag endete das Kreismusikfest mit einem Kinderfestzug und einem Tanzabend.
1971 stellte sich die neu gegründete Jugendkapelle unter der Leitung von Arthur Berg beim Kreisjugendtag in Reinstetten erstmals den Wertungsrichtern. Auch in den Folgejahren sicherte Arthur Berg mit seiner heiteren, schwungvollen Art maßgeblich den Nachwuchs im Verein.

Ein Novum war der am 25. Februar 1973 erstmals veranstaltete Kinderball, der bis heute dafür sorgt, dass die Kinder während des närrischen Treibens nicht zu kurz kommen.

Eine Premiere bei den Prunksitzungen erlebten die Narren im Jahr 1975: acht junge Gardedamen sorgten in ihren roten Kostümen für Begeisterung beim Publikum. Bis heute ist das Hofballet aus dem Programm der Prunksitzung nicht wegzudenken. Eine weitere Tradition, die 1975 entstand, ist das Weihnachtsspielen der Jugendkapelle. Unser Musikernachwuchs stimmt mit Weihnachtsliedern an mehreren Stationen im Ort die Gemeinde auf die Festtage ein.

Eine außergewöhnliche Ehrung konnte Dirigent Alfred Hayd am 10. April 1977 beim Osterkonzert entgegennehmen. Bereits 20 Jahre dirigierte er die Lyra und hielt den Verein stets auf einem sehr guten Niveau.

Die Zeit des gemeinsamen Musizierens dauerte leider nicht mehr lange an. Für alle unfassbar verstarb Alfred Hayd am 06. Juli 1977 im Alter von nur 47 Jahren. Die Musikanten aus Mietingen und Dellmensingen umrahmten die Beisetzung ihres Dirigenten und gaben ihm so das letzte Geleit.

1970-1977

1978-1984

Musikalische Weiterentwicklung

Nach diesem tragischen Ereignis musste ein neuer Dirigent gefunden werden. In Anton Ruf fand man den Nachfolger von Alfred Hayd. Anton Ruf übernahm die Leitung der Kapelle ab August 1977 zunächst kommissarisch und wurde am 15. April 1978 offiziell als Dirigent gewählt. Kurze Zeit später wurde im November 1978 erstmals eine Frau in die Reihen des Musikvereins aufgenommen.

Mit ihrem Wanderführer Arthur Berg gehen die Musikanten des Vereins traditionell seit 1978 zwischen den Jahren auf ihre Winterwanderung und steuern dabei immer eine Gaststätte im Mietinger Umkreis an.

Sein 60-jähriges Bestehen feierte der Musikverein 1980 mit einem Zeltfest im Juli sowie mit einem Jubiläumsfest im Oktober. Im Dezember des Jubiläumsjahres wurde der erste Kameradschaftsabend im Adlersaal begangen.
Am 4. April 1981 durften die Musiker vor dem Spiel VfB Stuttgart gegen Schalke 04 die Fußballfans auf dem Rasen des damaligen Neckarstadions unterhalten. Wenige Wochen später wagten sich die Mietinger Musikanten erneut in die Stadt, diesmal nach Ulm. Sie gaben am 28. Mai 1981 ihr erstes Paradekonzert, ein Termin, der zwischenzeitlich zu einer festen Größe im Vereinskalender avanciert ist.
Hans Deeng übernahm im Januar 1984 das Amt des 1. Vorsitzenden von Josef Ackermann. Unter der Führung von Josef Ackermann von 1959 bis 1984 wurde das Kreismusikfest 1970 ausgerichtet und es wurde verschiedene Veranstaltungen etabliert, die heute noch den Vereinskalender prägen.

Um die Kameradschaft im Verein zu fördern, wird bis heute jährlich ein Ausflug veranstaltet. Anfang der 1980er-Jahre erlangten vor allem zwei Ziele Kultstatus: die Gemeinde Erpoldsheim in der Pfalz (1973, 1980 und 1984) und Kröv an der Mosel (1983). Die Erinnerungen an diese Ausflüge bringt die Musiker noch heute zum Schwärmen.

Auch „Daheim“ war ´84 einiges geboten: Die Landschlächterei Angele knackte am 20. Mai 1984 erstmalig den Leberkäs-Weltrekord. Tausende Besucher kamen nach Walpertshofen und der Musikverein spielte bei diesem Spektakel zum Frühschoppen auf. 

Nur eine Woche später fand beim Kreismusikfest in Dettingen ein aufregendes und spannendes Ereignis statt. Anton Ruf trat zum ersten Mal mit seinen Musikern in der Kategorie „Höchststufe“ vor die Wertungsrichter. In harter und zielstrebiger Probenarbeit wurden die beiden Stücke „Tirol 1809" und „Ouvertüre Capricieuse" vorbereitet, wovon letzteres nach einem Losentscheid zur Aufführung kam.
Bei der Notenbekanntgabe gab es dann kein Halten mehr, als die Wertung verkündet wurde: 1. Rang mit Auszeichnung. Dieses Ergebnis entschädigte die Musiker für die zahlreichen Proben und Anstrengungen im Vorfeld des Wertungsspiels. Mit flotter Marschmusik zog die Musikkapelle nach diesem großartigen Erfolg in Mietingen ein, um die außerordentliche Leistung zu feiern.

Ein für Mensch und Tier besonderer Auftritt stand am 30. September 1984 erstmals an: Der Reitverein Mietingen veranstaltete ein Reitturnier, bei dem die Musiker mit ihrem Spiel die Siegerehrung auf dem Reitplatz umrahmten. Diese Tradition wurde bis heute beibehalten, zum Leidwesen manches pferdescheuen Musikers.

1985-1994

Ein neues Probelokal, Düsseldorf und Amerika

Im Jahr 1985 feierte der Männergesangverein Mietingen vom 19. - 22. Juli sein 125-jähriges Jubiläum. Da beide Vereine seit der Gründung des Musikvereins eng verbunden sind, war es selbstverständlich, dass der Musikverein unter anderem die Tagwache spielte und die Nachmittagsunterhaltung übernahm. 

Im selben Jahr wurde die Anschaffung neuer Uniformen beschlossen, die bei einer Modenschau im Adlersaal von allen Musikern und deren Partnern ausgewählt wurden. Beim Ständchen für die Erstkommunionkinder am 28. April 1986 wurden die neuen Uniformen dann der Gemeinde präsentiert. Leider unter denkbar schlechten Voraussetzungen - es schneite.

Die inzwischen auf über 75 Musiker angewachsene Kapelle präsentierte auch beim Umzug am Kinder- und Heimatfest in Laupheim stolz ihre neuen Gewänder.

Auch in der Gemeinde Mietingen standen große Investitionen an - der Bau einer neuen Mehrzweckhalle. Nach einem Ratsbeschluss von 1986 sollte unter anderem ein Proberaum für den Musikverein integriert werden. In unzähligen Stunden wurde der Ausbau des von der Gemeinde überlassenen Rohbaus in Eigenregie durchgeführt. Als das Probelokal im Sommer 1989 bezugsreif war, zog die Kapelle mit Marschmusik vom Proberaum im alten Schulhaus zur Mehrzweckhalle, um dort die erste Probe an der neuen Wirkungsstätte abzuhalten.

„MVM goes America!“ - hieß es im September 1989 für 22 Musiker der „Lyra“ und Musikanten des MV Schnürpflingen. Nach zwei Wochen in den USA mit spannenden Auftritten wurden die Reisenden bei ihrer Rückkehr von den Daheimgebliebenen am Gasthaus Adler empfangen.

Grund und Anlass genug für ein dreitägiges Zeltfest vom 11. bis 13. Mai 1990 war das 70-jähriges Bestehen des Musikvereins. Beim von der „Lyra“ selbst gespielten Großen Zapfenstreich am Freitagabend wurden die Musikerinnen und Musiker beim Einzug ins Zelt mit Fackeln von der Freiwilligen Feuerwehr Mietingen begleitet. Der Sonntag stand nach der Tagwache um 6.00 Uhr und dem Festgottesdienst im Zeichen der Blasmusik. Sechs befreundete Kapellen unterhielten das Publikum über den Tag.

Imposant zeigten sich die Musikerinnen und Musiker auch bei ihrer Teilnahme am Heimatfestumzug im selben Jahr. In Reihen á sieben Musikanten marschierten 90 Musiker unter der Leitung von Anton Ruf durch Laupheim und hinterließen dabei schwer beeindruckte Zuschauer am Straßenrand.

Die sechs Ausflüge in das nordrhein-westfälische Düsseldorf von 1986 - 1999 haben bis heute Kultstatus. Auf Einladung von Josef Schnitzler (Chef der Brauerei Uerige) sorgte der Musikverein jeweils von Freitag bis Sonntag vor mehreren tausend begeisterten Zuhörern in der Düsseldorfer Altstadt für Stimmung und Unterhaltung. Unvergessen sind die großartigen Auftritte und die vielen schönen Erlebnisse. Noch heute geraten die Musiker beim Thema Uerige ins Schwärmen.
Im Februar 1991 startete ein neuer Jugend-Ausbildungskurs, dessen Leitung erstmals von Gerald Berg übernommen wurde. Auch beim jährlich stattfindenden Gartenfest gab es eine Neuerung, im Juli 1991 fand dies nämlich erstmals auf dem schön dekorierten Festplatz bei der Mehrzweckhalle statt. Bis zu diesem Jahr wurde immer in „Bäschtes“ und zwei Mal in „Metzgers“ Garten gefeiert.

Damit man die Mietinger Blasmusik nicht nur bei ihren öffentlichen Auftritten sondern auch zu Hause hören konnte, wurde im April 1992 eine Kassette aufgenommen. Diese wurde unter anderem bei der Düsseldorf-Reise im selben Jahr zum Verkauf angeboten und mehrmals im Radio gespielt. 

Bei der Generalversammlung 1993 wurden zwei verdiente Funktionäre des Vereins geehrt. Nach 41 aktiven Jahren im Verein wurde Josef Arnold zum Ehrenmitglied ernannt. Er war davon 30 Jahre in der Vorstandschaft und 20 Jahre 2. Vorsitzender. Hubert Stecher gab nach 20 Jahren sein Amt des Kassiers ab, blieb der Vorstandschaft aber als Beisitzer erhalten.  

Im Jahr 1994 kam es zu einem Wechsel an der Vereinsspitze. Hermann Rolser übernahm das Amt des 1. Vorsitzenden von Gerhard Schilling. Außerdem wurde mit Karin Benecke (2. Schriftführerin) die erste Frau in die Vorstandschaft gewählt.

Die Kreisjugendmusiktage fanden im April 1994 in Mietingen statt. Im September des gleichen Jahres feierte der Musikverein Dellmensingen sein 40-jähriges Vereinsjubiläum. Der Musikverein Mietingen wirkte als Patenkapelle beim Festabend mit.  Den Höhepunkt und Abschluss des Abends bot die „Lyra“ Mietingen mit der Aufführung des Großen Zapfenstreichs. 
Ein weiteres herausragendes Ereignis im Vereinskalender war am 1. Oktober 1994 der Auftritt im Olympiastadion München. Die 63.000 Zuschauer wurden vor Beginn des Spiels FC Bayern - 1. FC Köln von den Musikerinnen und Musikern aus Mietingen mit Marschmusik durch das Stadion unterhalten.

1985-1994

1995-2005

Der Verein um die Jahrtausendwende

Anlässlich des 75-jährigens Vereinsjubiläum im Jahr 1995 hatte sich der Musikverein um die Ausrichtung des Kreismusikfests im selben Jahr beworben, kam aber nicht zum Zug. Das Jubiläum wurde daher mit einem zweitägigen Zeltfest am 10. und 11. Juni 1995 gefeiert. Besonders das Finale am Sonntagabend unter dem Motto „Chöre singen zur Blasmusik“ begeisterte die Gäste. 130 Sängerinnen und Sänger aus der Chorgemeinschaft Walpertshofen, dem Kirchenchor Mietingen sowie dem Männergesangverein „Eintracht“ präsentierten gemeinsam mit den „Lyra“ Musikanten eindrucksvolle Stücke, wie den „Gefangenenchor“ von Verdi oder „Conquest of Paradise“.
Am 22. September 1996 zog es 70 Musikerinnen und Musiker erneut nach München.  Sie wirkten beim großen Trachten- und Schützenumzug des Oktoberfestes mit.
Eine prägende Figur des Musikvereins wurde beim Jahreskonzert im selben Jahr verabschiedet. Anton Ruf übergab nach fast 20 Jahren Dirigententätigkeit und 43-jähriger aktiver Mitgliedschaft den Taktstock an Gerald Berg. Sein besonderes Augenmerk legte Anton Ruf stets auf die Wertungsspiele, bei denen er sich mit seinem Verein kontinuierlich mit Bestnoten in der Höchststufe präsentierte. Auch in die Jugendausbildung im Verein und Kreisverband investierte er unzählige Stunden. Als Dank und Anerkennung seiner Leistung für den Musikverein wurde Anton Ruf zum Ehrendirigenten und Ehrenmitglied ernannt.

Gerald Berg blieb nach der Übernahme des großen Orchesters weiterhin Dirigent der Jugendkapelle. Unterstützung in der Arbeit mit den Jugendlichen erhielt er ab Januar 1997 von Andrea Ruf in der neu geschaffenen Position der Jugendbetreuerin. Unter ihrer Leitung wurden viele neue Aktionen und Ausflüge eingeführt.

Im Jahr 1999 übernahm Jochen Ruf zum Jahreskonzert die Leitung der Jugendkapelle und trat bereits im Folgejahr mit seinen Jugendlichen beim Wertungsspiel in Tannheim an. Die Nachwuchsmusiker erzielten unter ihrem neuen Dirigenten dabei die Bestnote „sehr gut“.

Nach mehrjähriger Pause reiste der Musikverein vom 17.-19. September 1999 wieder nach Düsseldorf, genauer gesagt in den Vorort Kaiserswert zur örtlichen Uerige Gaststätte, um das Publikum mit bester Blasmusik zu unterhalten.

In der Kategorie „Oberstufe“ stellten sich die Musikerinnen und Musiker unter ihrem Dirigenten Gerald Berg im Juni 2001 den Wertungsrichtern beim Kreismusikfest in Hörenhausen. Mit ihrer Darbietung des Selbstwahlstücks „Zeitenwende“ und dem Stundenchor „Saturnus“ erspielten sie sich die Note „ausgezeichnet“. Doch nicht nur musikalisch wurde gearbeitet im Verein - im selben Jahr wurden hinter der Mehrzweckhalle die Garagen gebaut, um mehr Platz für allerlei „Zubehör“ zu schaffen.

Die bisherigen Uniformen wichen im Jahr 2002 neuen Modellen, die im Mai bei einem Platzkonzert in Laupheim präsentiert werden konnten und bis heute die Musikerinnen und Musiker kleiden. Ein Novum war, dass die Damen im Verein dabei erstmalig in schicken Miedern und Röcken eingekleidet wurden. Beim Laupheimer Kinder- und Heimatfest 2002 spielte der Musikverein in Sechserreihen den Umzug. Ein Team vom SWR war dabei vor Ort und die Lyra konnte die neuen Uniformen landesweit im TV präsentieren.

Am 17. Mai 2003 absolvierten die „Lyra“ Musikanten einen nicht alltäglichen Auftritt im ausverkauften Olympiastadion in München. Am letzten Bundesligaspieltag, beim Spiel FC Bayern - VfB Stuttgart, spielten die Musiker vor dem Spiel und in der Halbzeitpause auf der Tartanbahn für die Fußballfans. Nach den Meisterschaftsfeierlichkeiten unterhielten die Mietinger Musikanten die Fans auf dem Nockherberg.

Bei der 84. Generalversammlung am 10. Januar 2004 stand die Wahl eines neuen Vorsitzenden an. Nach zehnjähriger Tätigkeit übergab der bisherige Amtsinhaber Hermann Rolser sein Amt an Günther Hofmann.

Einen Ausflug, der beeindruckte und im Gedächtnis blieb, erlebten die Musikerinnen und Musiker im Sommer 2004. Die dreitägige Reise führte sie zum Winzerfest nach Krettnach-Konz an die Mosel. Zwei Auftritte, eine Sektstollenbesichtigung, eine Weinprobe sowie eine Stadtführung in Trier standen dabei auf dem Programm.

2006-2015

Erneuter Weltrekord und die erste Dirigentin

2006 entwarf die ehemalige Musikerin Ilona Stallbaumer das bis heute bestehende Logo des Musikvereins.

Beim Jahreskonzert im gleichen Jahr übergab Gerald Berg die musikalische Leitung an den vereinseigenen Musiker Bernhard Lauber. Gerald Berg verstand es in seiner zehnjährigen Dirigententätigkeit, mit seiner ruhigen, wertschätzenden und humorvollen Art die Musiker auf ihre Auftritte vorzubereiten und bei Wertungsspielen sehr gute Leistungen auf der Bühne abzurufen. Als Dank für seine engagierte Dirigententätigkeit spielten die Musiker ihrem scheidenden Dirigenten das Stück "Thank you for the music" und das Publikum ehrte Gerald Berg mit stehenden Ovationen.

„A saustarks Fescht“ wurde 2009 in Walpertshofen gefeiert: Am 02. August holte sich die Landschlächterei Angele den Leberkäse Weltrekord zurück. Während die Besucher vom 3118 kg schweren Rekord-Leberkäse kosten konnten, unterhielt der Musikverein die Besucher musikalisch.

Die Jahre 2010 und 2011 waren von mehreren Veränderungen an der Vereinsspitze gezeichnet. Im Januar 2010 übernahm Heiko Graf das Amt des ersten Vorsitzenden von Günther Hofmann und am Konzert 2010 beendete Jochen Ruf seine Tätigkeit als Jugenddirigent. 2011, nach 18 Jahren großen Engagements, übergab Christian Hess sein Amt des 2. Vorsitzenden an Ralf Hofmann. Mit der Gründung des „Bläseralarms“, welcher seither von Julia Denzel geleitet wird, wurde ein Ensemble ins Leben gerufen, in dem schon die jüngsten Musikerinnen und Musiker das Zusammenspiel üben.

Zum Jahreskonzert 2011 gab Bernhard Lauber nach fünf Jahren den Taktstock an Gerhard Rogg weiter, der erstmals nicht aus den eigenen Reihen stammte. Rogg übernahm zugleich auch die Leitung der neugegründeten Gemeinschaftsjugendkapelle Mietingen-Schönebürg, welche an diesem Abend ihren ersten Auftritt hatte. 

Seit 2012 kooperiert der MV mit der Grundschule Mietingen. Im Rahmen der Nachmittagsbetreuung findet Blockflöten Unterricht statt.

Im Januar 2013 trat der bisherige Vorsitzende Heiko Graf nicht mehr zur Wahl an. 1. Vorsitzender der „Lyra“ ist seither Alexander Schuhmacher.

Der jährliche Ausflug führte die Mietinger Musiker vom 30. August bis 01.September 2013 nach Tramin in Südtirol, wo die Kapelle Einheimische und Touristen bis spät in die Nacht zu unterhalten wusste.

Im Herbst 2013 wurde gemeinsam mit dem Männergesangverein „Eintracht“ und dem Handharmonikaverein „Spielring“ ein Pavillon an der Mehrzweckhalle errichtet. Beim Gartenfest 2014 erfolgte die feierliche Einweihung und Segnung.

Zum Herbst 2014 verließ Dirigent Gerhard Rogg den Musikverein. Seine Ämter übernahmen kurzfristig Gerald Berg für das große Blasorchester sowie für die Gemeinschaftsjugendkapelle Rainer Hochdorfer aus Schönebürg. Beide wurden kurz darauf von zwei jungen Frauen abgelöst. Seit Dezember 2014 steht Corinna Grismar als Dirigentin dem Orchester vor. Natalie Kiekopf leitete ab Frühjahr 2015 die Jugendkapelle.

2006-2015

2016 bis 2020

Vorbereitungen auf ein Großereignis

Anlässlich des 25jährigen Blutritt-Jubiläums von unserem ehemaligem Pfarrer Otto Mack im Jahr 2016 nahm der Musikverein Mietingen nach vielen Jahren wieder am Blutritt in Weingarten teil.

Nathalie Kiekopf übergab die Leitung der Jugendkapelle im April 2017 studienbedingt an Marek Scheliga, welcher diese bis heute leitet.

„Wir fahren nach Berlin“ lautete das Motto der viertägigen Vereinsreise im Jahr 2017. Der Bundestagsabgeordneter Josef Rief organisierte eine Reichstagsbesichtigung und bei einer anschließenden Busrundfahrt sowie der Besichtigung des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen lernten die Musiker die Hauptstadt näher kennen. Ein Standkonzert rundete den Ausflug dabei musikalisch ab.

Der Ausflug 2018 stand ganz im Zeichen der Musik. Es ging nach Solingen zum dortigen Schützenfest, bei dem die Lyra am „bayrischen Abend“ aufspielte, das Prinzenpaar mit Marschmusik durch die Stadt begleitete und auch den Großen Zapfenstreich spielte. Beim gemeinsamen Feiern kam auch der kameradschaftliche Teil nicht zu kurz.

Die fixen Termine wie Generalversammlung, Fasnet, Paradekonzert, Gartenfest, Kinder- und Heimatfest, Ausflug und Jahreskonzert standen auch 2019 im Vereinskalender. Doch die Vorbereitungen und Werbemaßnahmen für „ZWANZIG ZWANZIG“ wurden parallel hochgefahren und bestimmten das Vereinsjahr.

Nachdem wir im Jahr 2016 den Zuschlag für die Ausrichtung des Kreismusikfests 2020 erhalten hatten, waren die vergangenen Jahre bis zum heutigen Tage natürlich stark von den Vorbereitungen und Planungen geprägt.

Wir freuen uns sehr, mit Ihnen unser 100-jähriges Jubiläum in diesem schönen, außergewöhnlichen Rahmen zu feiern und laden Sie ein, auch in den kommenden Jahrzehnten dabei zu sein, wenn der Musikverein „Lyra“ Mietingen Geschichte schreibt.